Inhaltsverzeichnis
- 1 Die Geschichte von Destiny
- 2 Eine Reise durch die nächsten 10 Jahre
- 3 500 Millionen Dollar: Keine Garantie für eine gute Story
- 4 Das Gameplay von Destiny
- 5 Gelungene KI und freche Gegner
- 6 Hauptgeschichte mit bis zu 10 Stunden Spielzeit
- 7 Rudimentäre Rollenspielelemente
- 8 Mehr Spielspaß im Team
- 9 Mein Fazit: Destiny steht noch am Anfang
Nach etwa vier Jahren Entwicklungszeit und angeblichen Entwicklungskosten von unglaublichen 500 Millionen Dollar war es am 09. September dieses Jahres soweit: Bungie und Activision haben ihr neuestes Werk „Destiny“ endlich auf die Welt losgelassen und Millionen Vorbesteller erhielten die Möglichkeit, entsprechend der Werbekampagne zum Spiel „zur Legende“ zu werden.
Leider haben es Hypes aber oftmals so an sich, aufgrund der viel zu hohen Erwartungshaltung schlussendlich doch zu enttäuschen. Das muss gar nicht zwangsläufig bedeuten, dass das jeweilige Produkt abgrundtief schlecht ist – im Gegenteil. Doch wenn ein saftiges Rinderfilet versprochen wird, man schlussendlich aber nur eine Scheibe Leberkäs vorgesetzt bekommt, ist die Enttäuschung vorprogrammiert – obwohl an einem guten Leberkäs nichts auszusetzen ist. Trifft dieses Schicksal auch auf Destiny zu?
Die Geschichte von Destiny
Wieder einmal befindet sich die Menschheit kurz vor ihrem Ende – dieses Mal im Jahr 2700. Nach einer langen Zeit der Expansion in die Weiten des Universums und überschwänglichen Wohlstands ist die Menschheit von bösen Aliens aus der Dunkelheit des Weltalls bedroht. Gegen die als „Die Gefallenen“ bezeichneten Außerirdischen wurden unerbittliche Kämpfe geführt, denen die Menschen wenig entgegensetzen konnten. Schlussendlich blieb nur noch eine einzige Stadt auf der Erde verschont, über welcher nun eine riesige mysteriöse Kugel, der sogenannte „Reisende“, schwebt. Die genauen Beweggründe und Vorhaben dieses Reisenden sind nicht klar, dennoch beschert er den Menschen wissenschaftlichen Fortschritt, Reichtum und Schutz. Dies ist auf der einen Seite natürlich sehr freundlich und nett, auf der anderen Seite aber auch sehr verdächtig und eine exzellente Möglichkeit, die wahren Beweggründe des Reisenden zu hinterfragen.
Gleich zu Beginn des Spiels schickt der Reisende einen kleinen sympathischen Roboter namens „Geist“ auf die Suche nach unserer Leiche, dem ausgewählten „Hüter“. Ja, wir sind bereits zu Beginn des Spiels tot – aber nur so lange, bis „Geist“ uns wieder Leben einhaucht – gewissermaßen haucht er uns wieder unseren eigenen Geist ein… und kümmert sich womöglich unbemerkt auch um unser inzwischen längst verfallenes Äußeres.
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Eine Reise durch die nächsten 10 Jahre
So formen wir aus einer recht übersichtlichen Auswahl an Gesichtern, missglückten Haarfrisuren, Hautfarben, Tattoos und weiteren Details unseren ganz persönlichen Helden und entscheiden uns, welche Klasse wir denn spielen wollen: Einen gut gepanzerten und mit schweren Waffen ausgerüsteten „Titan“, einen wendigen „Hunter“ und begabten Präzisionsschützen oder einen „Warlock“, dem Magier von Destiny. Zugegeben, eine große Auswahl stellt dies nicht dar, aber Destiny befindet sich ja auch erst am Anfang einer laut Activision angekündigten Reise durch die nächsten 10 Jahre der Spielgeschichte.

500 Millionen Dollar: Keine Garantie für eine gute Story
Leider muss ich sehr oft feststellen, dass es solchen großen Titeln wie „Destiny“ oder zuletzt auch „Watch Dogs“ schlichtweg an einer interessanten, mitreißenden und durchdachten Geschichte mangelt, die eine ganz klare Daseinsberechtigung besitzt. Auch Destiny kann in diesem Bereich trotz des gemunkelten Budgets von einer halben Milliarde Dollar leider nicht punkten: Als Spieler erfahren wir zu Beginn des Spiels nur bruchstückhaft, worum es im Spiel eigentlich geht, wir erfahren wenig über die Geschichte der bedrohlichen Aliens oder der ominösen „Hüter“, zu denen wir ja schließlich auch gehören.
Noch schlimmer: Statt uns Spieler gekonnt in eine spannende Geschichte hineinzuziehen und eine dichte und einnehmende Atmosphäre aufzubauen, reißt uns „Destiny“ ständig aus dieser heraus, da wir Details zur Geschichte nur über die Webseite des Spiels oder die spielbegleitende „Companion App“ über sogenannte „Grimoire“-Karten erfahren.

Meiner persönlichen Meinung nach gehören solche Details direkt ins Spiel hinein. Im Idealfall sollte eine Geschichte durch Handlungen im Spiel und unterstützend durch Unterhaltungen mit interessanten Charakteren erzählt werden. Doch leider nutzt Destiny diese narrativen Möglichkeiten nicht aus. Die Geschichte bleibt platt, die Charaktere sind durchgehend flach und es fehlt mir in vielerlei Hinsicht an Seele, Tiefgang, erzählerischer Atmosphäre und Gründen, mich über viele Stunden mit der Welt rund um Destiny zu beschäftigen. Das pure Gameplay reicht mir hier schlichtweg nicht aus – doch dies nur meine ganz persönliche Meinung. Viele andere Spieler pfeifen sicherlich auf eine gute Geschichte und möchten sich nur durch eine liebevoll gestaltete Welt ballern und pure Action erleben. Für mich ist das jedoch zu wenig.
Das Gameplay von Destiny
Bungie hat bereits mit der HALO-Spielereihe eine sehr beliebte Shooter-Serie auf die Beine gestellt und konnte daher bei der Entwicklung von Destiny auf einen großen Erfahrungsschatz in diesem Bereich zurückgreifen. Dieses Know-How spürt man bei Destiny in jeder Spielszene: Die Auswahl an Waffen ist gelungen und bietet ein überzeugendes Waffen- und Trefferfeedback. Neben „The Last of Us: Remastered“ stellt Destiny war für mich eines der wenigen Spiele für die Playstation 4 dar, bei welchem ich sehr bewusst den Vorteil der verbesserten Trigger-Tasten des PS4-Controllers spüren durfte. So eliminierte ich Aliens während einiger hektischer Szenen mit zielgerichteten Kopfschüssen und einer Genauigkeit, die auf dem alten PS3-Controller schlichtweg nicht möglich war. Vor allen in den höheren Levelstufen erlangt man Zugriff auf immer spannendere Waffen, was für eine angenehme Abwechslung im Gameplay sorgt.

Neben den Missionen der Hauptgeschichte finden sich zur Abwechslung auf den verschiedenen Planeten auch immer wieder mal kleinere Patrouillenaufträge und besonders harte Strike-Einsätze, durch welche wir mit der Zeit in unserem Rang aufsteigen. Mit jedem neuen Rang werden uns neue Fähigkeiten in einem Talentbaum freigeschaltet, wobei wir erst in späteren Levels freiere Auswahlmöglichkeiten zur Entwicklung unseres Spielcharakters erhalten. Generell fiel mir auf, dass man in Destiny ziemlich rasch in den Levels aufsteigt.
Gelungene KI und freche Gegner
Die Gegner in Destiny verhalten sich vergleichsweise intelligent und stürmten oftmals genau dann auf mich los, als ich kurz vorm Sterben war. In anderen Szenen teilten sie sich wiederum auf und griffen ganz frech von der Seite oder hinten an. In diesem Bezug haben die Entwickler gute Arbeit geleistet, denn kein neuer Kampf glich exakt dem vorherigen. Ziemlich nervig war leider die Tatsache, dass bereits getötete Gegner relativ schnell wieder im Spiel auftauchten, sobald man sich einige Meter von dem Ort eines Kampfes entfernt und zurückblickt.

Hauptgeschichte mit bis zu 10 Stunden Spielzeit
Die Hauptgeschichte von Destiny soll in etwa zehn Stunden durchspielbar sein – allerdings konnte mich Destiny leider nicht so lange zum Weiterspielen motivieren. Ich muss zugeben, dass ich schlichtweg ein von guten Geschichten zu verwöhnter Spieler bin. Mir ist eine mitreißende und glaubhafte Story ungemein wichtig, denn erst durch diese kann ich wirklich in ein Spiel versinken – ob es sich nun um ein Rollenspiel, einen Action-Shooter oder ein Adventure handelt. Leider konnte mir Destiny diese Erfahrung bis dato nicht anbieten – ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, als Spielcharakter wirklich „im Spiel“ zu sein, sondern lediglich als Spieler vor dem heimischen Fernseher. Sorry, Bungie.
Rudimentäre Rollenspielelemente
Shooter oder Rollenspiel – meiner Meinung nach ist es schwierig, diese beiden Elemente miteinander zu verbinden. Destiny versucht es, schafft es auch teilweise, scheitert dann aber an folgendem Problem: Während ein Shooter von der Fähigkeit des Spielers abhängt, genau zu zielen, sich wendig zu bewegen und schlussendlich durch eine geschickte Spielweise zu überleben, liegt der Kernpunkt eines Rollenspiels viel mehr in der sehr individuellen und durchdachten Entwicklung eines Spielcharakters. In einem Rollenspiel wachsen die Fähigkeiten durch das Erreichen eines neuen Fertigkeitslevels und die Auswahl gewisser Talente – somit ist das Treffen eines Gegners oder das Überleben eines Angriffs nicht zwangsläufig von der Zielgenauigkeit und Wendigkeit des einzelnen Spielers abhängig, sondern viel mehr von den erreichten Fertigkeitspunkten bestimmter Eigenschaften des jeweiligen Charakters. Und genau hier vermischt Destiny zwei Zutaten eines Spiels, die mir gemeinsam in dieser Form einfach nicht gut schmecken.

Das Rollenspiel-Element in Destiny erscheint aufgesetzt, sehr rudimentär und kaum durchdacht. Auf mich wirken die verschiedenen zur Auswahl stehenden und sich spielerisch nur wenig unterscheidenden Charakterklassen und der recht eingeschränkte Talentbaum nur wie ein Versuch, zwanghaft das Element „Rollenspiel“ in einen Shooter zu pressen, um nach außen hin eine interessante Genre-Mischung und vermeintliche „Innovation“ zu vermitteln.
Mehr Spielspaß im Team
Die Missionen der Hauptgeschichte sind zwar im Alleingang ganz unterhaltsam, so richtig Laune bereitet Destiny aber erwartungsgemäß erst im Team mit bis zu drei Mitspielern. Ähnlich wie in einem MMO wie „World of Warcraft“ lauft Ihr im Spiel ständig fremden Spielern über den Weg – wirklich lebendig wirkt die Welt dadurch allerdings trotzdem nicht. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass die Anzahl an Spielern auf einem Server bewusst klein gehalten wird. Möglicherweise, um etwaigen Performance-Problemen vorsorglich aus dem Weg zu gehen.
Mein Fazit: Destiny steht noch am Anfang
Bungie und Activision, ihr macht es mir wirklich nicht leicht. Ich habe das Gefühl, Destiny noch gar nicht wirklich bewerten zu können oder gar zu dürfen. Meiner Meinung nach war der riesengroße Hype um das Spiel nicht wirklich gerechtfertigt – noch nicht. Denn Destiny steht ganz klar erst ganz am Anfang einer laut den Entwicklern langen Reise. Der Sci-Fi-Shooter soll schließlich über die nächsten 10 Jahre ständig mit neuen Inhalten erweitert werden und auf diese Weise wachsen. Ich sehe hier die große Chance, Destiny nachträglich viel mehr Tiefe zu verleihen und möglicherweise sogar eine wirklich lebendige Welt mit einer interessanten Hintergrundgeschichte zu formen.
Für das Erleben dieser Geschichte sollte allerdings keine separate App nötig sein. Die Story muss im Spiel selbst und vor allem nachvollziehbar und nicht ganz so versteckt erzählt werden. Andererseits sehe ich die Gefahr, dass der aktuelle Status dieses Spiels nicht dazu ausreicht, langfristig Spieler dieser Welt nachhaltig zu fesseln. Mich persönlich konnte Destiny noch nicht einmal zum Durchspielen der etwa zehnstündigen Hauptgeschichte motivieren. Es ist sehr gut möglich, dass ich in einigen Monaten oder sogar erst Jahren wieder zu Destiny zurückkehren und vielleicht sehr positiv überrascht sein werde. Ich werde einfach einmal abwarten, was das Schicksal mit Destiny noch vorhat.
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- Screenshots: Bungie