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Seit dem Verkaufsstart am 20. September 2013 wurde das Netz mit Testartikeln zum neuen iPhone 5S von Apple überflutet. Leider gehörte ich nicht zu den glücklichen Testern, die das Gerät schon vor dem offiziellen Verkaufsstart von Apple erhielten und ausgiebig testen konnten – und leider auch nicht zu denen, die das High-End Smartphone schon am 20. September in Händen halten durften. Daher spare ich mir in diesem Jahr ausgiebige Testszenarien und aufwändige Testvideos und möchte mich in meinem Artikel lediglich auf meine persönlichen Erfahrungen mit dem iPhone 5S beschränken.
„The same procedure as every year“
Eine beeindruckende Schlange von über 1.500 Apple Fans versammelte sich in der Nacht zum 20. September 2013 vor dem Apple Store in München, wo diese teilweise seit über 24 Stunden geduldig auf den Verkaufsstart des neuen iPhone 5S warteten. Um 4 Uhr in der Nacht fuhr ich aus Neugierde persönlich zum Apple Store und wollte mir das Spektakel einmal live anschauen: Die Schlange führte tatsächlich mehrere Straßen weit, überall standen Campingstühle mit in Decken eingehüllten Apple Fans, teilweise schliefen sie in Schlafsäcken eingemümmelt auf dem Boden, manche vertrieben sich ihre Wartezeit mit Brettspielen oder dem Surfen auf dem bald auszuwechselndem iPhone 5.
Es war schon ein wirklich beeindruckender Anblick: Welche andere Firma dieser Welt schafft es, so viele Menschen an einem Werktag in der Nacht auf die Straße zu holen, nur um als einer der Ersten das neueste Smartphone kaufen zu können? Es ist ja nicht so, dass es etwas zum Verschenken gab oder eine Form des Rabattes angeboten wurde – nein, in dieser Nacht wurde mir das „Lebensgefühl“ von Apple Nutzern direkt vor Augen gehalten. Trotzdem stellte ich mich nicht hinten an. Nein, ich wartete noch fünf Tage und holte mir dann gemütlich mit zirka 20 Minuten Wartezeit mein weiß-silbernes und ein goldenes iPhone 5S ab. Direkt im Apple Store. Ohne Decke und Stuhl.
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Das Design
Wie bei jedem S-Update eines iPhones blieb auch beim iPhoine 5S das Design im Vergleich zum Vorgänger erhalten. Trotzdem wertet für mich ein kleines Element das Erscheinungsbild des neuen Flaggschiffes von Apple auf: Der neue Homebutton mit integriertem Fingerabdrucksensor. Dieser besteht nun aus kratzresistentem Saphirglas und wird von einem eleganten Edelstahlring umrahmt, welcher die Front des iPhones meiner Meinung nach aufwertet.

Außerdem wurde auf das kleine abgerundete Rechteck inmitten des Homebuttons verzichtet, wodurch dieser reduzierter und minimalistischer als sein Vorgänger wirkt und daher gut zum überarbeiteten iOS 7 Betriebssystem passt. Dieses wurde bekanntlich ebenfalls in allen Bereichen designtechnisch deutlich vereinfacht und reduziert. Typische Kinderkrankheiten und Unzulänglichkeiten in der Benutzerführung inklusive. Entgegen meinen anfänglichen Befürchtungen hat der neue Homebutton einen angenehmen Druckpunkt und funktioniert einwandfrei.
Das güldene iPhone und zweifelhaftes Marketing

Apple hat dieses Jahr die Farbauswahl um eine goldene Variante des iPhones erweitert. Dieses soll laut Apple sehr stark nachgefragt und ständig ausverkauft sein. Meine Erfahrung nach zahlreichen Telefonate und Recherchen ergab: Das goldene iPhone war selbst zum Verkaufsstart in München nur mit einer Stückzahl von etwa 20 Exemplaren vertreten und somit logischerweise bei 1.500 vor dem Store wartenden Kunden sehr schnell „ausverkauft“. Das Wort „ausverkauft“ ist marketingtechnisch ein sehr mächtiges Wort und wird in meinen Augen hier deutlich missbraucht.
Trotzdem schrieben diverse Onlinemagazine kollektiv von einem immensen Erfolg des goldenen stets ausverkauften iPhones.
Das mir vorliegende goldene iPhone unterscheidet sich meiner persönlichen Beurteilung nach nicht wesentlich von der weiß-silbernen Version und ist weitaus weniger „golden“ als ich erwartet habe. Es handelt sich eher um einen Champagner-Farbton, der in meinen Augen die Bezeichnung „Gold“ gar nicht verdient.
Das Design des iPhone 5S gefällt mir vor allem in seiner weiß-silbernen Version sehr gut und ich bin gespannt, wie Apple dieses Design im nächsten Jahr mit der Einführung des iPhone 6 noch toppen möchte.
Die neue Lederhülle von Apple – und ihre Schwächen
Apple bietet für das iPhone 5S neue Lederhüllen aus hochwertigem Anilinleder in verschiedenen Farbvarianten an. Ich habe mich für die braune Version entschieden und den Kauf bis dato nicht bereut. Die Lederhülle ist sehr griffig, fühlt sich wertig an und passt ideal zum iPhone 5S. Die Hülle trägt kaum auf und lässt entlang des silbernen Rahmens meines iPhones ein wenig Raum, was mir besonders gut gefällt.
Es gibt allerdings einen großen Nachteil: Echtes Anilinleder ist im Gegensatz zu anderen Ledersorten nicht versiegelt und nimmt aufgrund seiner porösen Natur sehr schnell Schmutz auf. Schwitzige Hände, abfärbende Hosentaschen, Schmutz auf dem Tisch – die Hülle saugt den Schmutz regelrecht auf und verfärbt sich daher im Laufe der Nutzung sehr schnell. Außerdem ist das Leder sehr empfindlich auf Abrieb. Flecken sollten daher nur sehr vorsichtig mit einem feuchten Tuch entfernt werden, ansonsten wird das Leder rasch beschädigt.
Apple hat natürlich vorsichtshalber einen Hinweis bezüglich der Farbveränderung des Leders direkt auf die Verpackung der Hülle gedruckt – auf diese Weise möchte man sich wohl vor etwaigen Beschwerden seitens der Kunden schützen. Ich hoffe, dass sich andere Hersteller von Lederhüllen an der schönen Lederhülle von Apple ein Beispiel nehmen, jedoch langlebigere Alternativen produzieren. Bis dahin kann ich Euch wärmstens die KAVAJ Hülle „Miami“ aus echtem und widerstandsfähigeren Echtleder für das iPhone 5/5S empfehlen.
Der neue Fingerabdrucksensor
Der neue Fingerabdrucksensor des iPhone 5S namens „Touch ID“ ist direkt in den neuen Homebutton des iPhone 5S integriert worden. Außerdem umrahmt diesen ein je nach Farbmodell silberner, goldener oder schwarzer Edelstahlring. Dieser erkennt, ob ein Finger auf dem Homebutton liegt und startet gegebenenfalls den Scan des Fingers. Dies funktioniert meiner zweiwöchigen Erfahrung nach erstaunlich gut.

Beim Einrichten des iPhones wird bereits der erste Finger eingescannt – hierzu legt man seinen „Wunschfinger“ auf den Homebutton und schon analysiert das iPhone die feinsten Hautstrukturen des Fingers und gibt dabei kurze Feedbacks durch Vibrationen. Diese Prozedur dauert etwa eine Minute, bei der man den Finger immer wieder und wieder leicht verschoben auf den Homebutton ablegt bis das iPhone den erfolgreichen Scan des Fingers bestätigt.

Ein PIN-Code ist Pflicht
Auch ein PIN-Code wird weiterhin abgefragt, denn dieser ist bei der Nutzung von Touch ID Pflicht. Der Fingerabdrucksensor ersetzt den PIN-Code also nicht, er dient lediglich zur Vereinfachung zum Entsperren des eigenen iPhone 5S. Ist das Gerät gesperrt, drückt man auf den Homebutton, lässt den Finger darauf ruhen und innerhalb von Sekundenbruchteilen befindet man sich bei erfolgreicher Erkennung auf dem Homescreen. Dasselbe Prinzip wird auch beim Kauf von Apps angewandt: Statt das Passwort der eigenen Apple ID eingeben zu müssen, genügt nun ein Scan des Fingers.
Meiner Meinung nach ist der Fingerabdrucksensor trotzdem noch nicht ausgereift genug: Es war hin und wieder nötig, meine Finger erneut einzuscannen, da bereits winzige Hautverletzungen oder Schmutzpartikel dafür sorgen, dass ein Fingerabdruck nicht mehr korrekt erkannt wird. Außerdem sind schwitzige Finger beim Verwenden des Fingerabdruckscanners tabu.
Die Zukunft des Fingerabdruckscanners
Der Sensor sollte meiner Meinung nach außerdem viel mehr Verwendung finden – nicht nur beim Entsperren des Gerätes oder beim Kauf von Apps, sondern mindestens auch bei der Wiederherstellung von In-App-Käufen. Dies ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich. Ich könnte mir auch vorstellen, dass man sich in Zukunft durch den Fingerabdruckscan viel bequemer in Facebook, Twitter und andere Dienste einloggen kann, beispielsweise mit dem in iOS 7 bald schon integriertem „Schlüsselbund“. Da Apple aber zugesichert hat, dass die Fingerabdrücke keinen anderen Anbietern zur Verfügung gestellt werden, ist die Realisierung solch einer Erweiterung weiterhin fraglich. Es sei denn, das iPhone scannt den Finger ein und gibt dann lediglich das „OK“ statt der Fingerscan-Daten an die jeweilige App weiter. Wir werden sehen.
Die neue lichtempfindlichere Kamera
Wer mich kennt, der weiß, dass ich leidenschaftlich gerne fotografiere. Mittlerweile ist das iPhone für mich auch zu einer ernstzunehmenden „Immer dabei“-Kamera geworden, die ordentliche Bilder macht. Dementsprechend freue ich mich jedes Mal über eine Verbesserung der iPhone Kamera. Auch beim iPhone 5S wurde von Apple wieder kräftig geschraubt: So bietet die neue Kamera eine offenere Blende von f/2.2 im Gegensatz zur lichtschwächeren Kamera des iPhone 5 mit nur f/2.4. Dieser Blendensprung ist nicht allzu groß, aber in Kombination mit dem um 15% vergrößerten Kamerasensor bei gleicher Auflösung von acht Millionen Pixeln ist die iPhone 5S Kamera nun um zirka 30% lichtstärker und weitaus rauschärmer geworden.
An dem folgenden Bildbeispiel möchte ich Euch den Unterschied bei sehr schwachem Umgebungslicht zwischen dem neuen iPhone 5S (links) und dem iPhone 5 demonstrieren. Vor allem das reduzierte Bildrauschen ist deutlich zu erkennen.

Außerdem gelingen dem neuen iPhone 5S beeindruckende 10 Bilder pro Sekunde bei voller Auflösung und es bietet dank des überarbeiteten und schnelleren A7-Hauptprozessors einen neuen Videomodus: Eine Zeitlupenfunktion mit 120 Bildern pro Sekunde bei 720p Auflösung. Zum Vergleich: Übliche Videoaufnahmen nutzen in der Regel 30 Bilder pro Sekunde. Bei einer Vervierfachung dieser Bildrate sind nun sehr ansehnliche und knackig scharfe Zeitlupen-Aufnahmen möglich. Mir gefällt hierbei besonders die Möglichkeit, eine Szene aufzunehmen und nachträglich die Bereiche auszuwählen, die in Zeitlupe wiedergegeben werden sollen – der Rest wird in Normalgeschwindigkeit dargestellt.
Es ist allerdings zum aktuellen Zeitpunkt leider nicht ohne Umwege möglich, ein fertiges Zeitlupenvideo auf den Computer zu überspielen, um es dort weiter zu bearbeiten. Ich bin aber ganz zuversichtlich, dass Apple diese Möglichkeit über ein Update des Betriebssystems iOS 7 bald nachliefern wird.
Der neue Doppel-LED-Blitz
Damit Personen bei schwachem Umgebungslicht und Nutzung des Kamerablitzes nicht plötzlich wie bleiche Zombies aussehen, hat Apple dem iPhone 5S einen Doppel-LED-Blitz namens „True Tone“ spendiert. Dieser besteht aus einem kühlen und einem warmen Blitz, welche je nach Umgebungslicht miteinander kombiniert werden. Apple spricht hier vollmundig von 1.000 möglichen Variationen dieser beiden Blitze, was in meinen Augen großes Marketing-Geplapper ist. Ich habe die Blitze meiner bisherigen iPhones allerdings noch nie für Fotos verwendet, sondern seit jeher lediglich als praktische Taschenlampen, wenn ich auf meinem dunklen Dachboden in alten Taschen etwas gesucht habe. Daran wird sich für mich wohl auch in Zukunft nichts ändern.
Der neue A7-Prozessor mit doppelter Leistung
Der neue A7-Hauptprozessor des iPhone 5S soll dank 64-Bit Technologie eine doppelte Leistung vor allem bei grafikintensiven Spielen bieten. Dies kann ich noch nicht bestätigen, da es im Moment keine Spiele im Appstore gibt, welche die Fähigkeiten des neuen Prozessors voll ausnutzen. Das von Apple bei der Präsentation des iPhone 5S angepriesene „Infinity Blade III“ läuft auch auf dem iPhone 5 sehr gut und dient daher in meinen Augen weniger als Vorzeigetitel.

Wo ich die Leistung des A7-Prozessors allerdings deutlich messen durfte waren Grafik-Benchmarks wie „GFXBench“ und „3D Mark“ aus dem App Store. Das iPhone 5S bietet hier im Vergleich zum Vorgänger weitaus mehr Leistung, was zu höheren Bildraten führt. Für mich ist allerdings der Leistungszuwachs bei der Verwendung rechenintensiver Foto- und Video-Apps relevanter. Bei meiner favorisierten Foto-App „Hipstamatic„, bei der nach Betätigen des Auslösers automatisch diverse Filter auf ein Bild angewandt werden, hat sich die Rechenzeit pro Bild bei voller Auflösung in etwa halbiert. Das ist für mich ein deutlicher Vorteil gegenüber dem iPhone 5. Auch bei Video-Apps mit aufwändigen Echtzeiteffekten punktet das iPhone 5S. Hier ist in Zukunft noch mit vielen spannenden Apps zu rechnen, welche die Fähigkeiten des neuen A7-Hauptprozessors auszunutzen wissen.
Der neue Coprozessor M7
Dem Hauptprozessor wurde außerdem ein M7-Coprozessor zur Seite gestellt, welcher diesen entlasten und für eine bessere Akkuleistung sorgen soll. Der M7 sammelt und verarbeitet die Bewegungsdaten des iPhones 5S in Echtzeit und protokolliert diese ständig. Eine App kann auch nachträglich noch auf diese Daten zugreifen, wovon vor allem diverse Fitness-Apps profitieren. Derlei Anwendungen können die vom iPhone Nutzer zurückgelegten Schritte und weitere Daten statistisch auswerten. Für mich hat sich ein realer Nutzen des M7 bis dato allerdings noch nicht gezeigt, da ich keine derartigen Fitness-Apps verwende.
Mein Fazit
Im Gegensatz zu vielen aufgebrachten, enttäuschten und teilweise regelrecht verbitterten iPhone-Nutzern erwarte ich von einem neuen iPhone keine „Revolution“, sondern eine sorgsame evolutionäre Weiterentwicklung. Ich erkenne die Verbesserungen am neuen iPhone 5S, empfinde diese als sinnvoll und weiß diese auch zu schätzen. Vermutlich wird die große Enttäuschung so mancher Apple Nutzer dadurch erzeugt, dass inzwischen bereits viele Wochen vor der Veröffentlichung eines neuen iPhones im Netz Details zum neuen Gerät auftauchen: Fotografien des goldenen Alurahmens, Hinweise auf einen Fingerabdrucksensors, Details zur neuen Kamera und vieles mehr. Zur heiß erwarteten Präsentation von Apple finden sich dann gar keine überraschenden Neuerungen mehr.

Stattdessen wird von besagten Personen nur noch eine Liste von zu erwartenden Funktionen abgehakt. Und präsentiert Apple dann keine revolutionären und überraschenden Neuerungen wie beispielsweise einen eingebauten Induktionskochherd, einen lichtstarken Beamer mit 4K-Auflösung bei drei Meter Bildschirmdiagonale oder eine Akkulaufzeit von mindestens einem Monat, so sind die Leutchen maßlos enttäuscht und müllen die Kommentare diverser Onlinemagazine mit ihrem Frust zu. Als wenn es nichts Wichtigeres auf der Welt gäbe.
Symbiose aus Hardware und Software
Im Gegensatz zu Firmen wie Samsung sucht Apple nicht immer nur nach noch spektakuläreren Superlativen nach dem Motto „Schneller, höher, weiter!“, sondern konzentriert sich auf das, was wirklich wesentlich ist und kombiniert dies dann in einer leicht verständlichen und funktionalen Symbiose von Software und Hardware. Dieses Konzept gefällt mir nach wie vor – und aus diesem Grund werde ich auch das folgende Jahr wieder ein iPhone von Apple verwenden und bleibe trotzdem offen für Weiterentwicklungen der Konkurrenz. Bisher hat mich allerdings kein anderes Gerät überzeugen können.
