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Die Anfrage von RTL für einer Zusammenarbeit an einem TV-Beitrag zum 18. Geburtstag (12. Mai 2021) der vermissten Madeleine erreichte mich überraschend und unerwartet. Die mir gestellte Aufgabe war sehr ungewöhnlich, ein spontanes TV-Interview für mich komplettes Neuland und die Zeit war sehr knapp: Mir blieb nur der Abend der Anfrage, um anhand von direkt durch RTL mir zur Verfügung gestellter, sehr alter und qualitativ schlechter Fotos der dreijährigen Madeleine McCann und ihrer Eltern ein Kleinkind in eine 18-jährige junge Frau zu verwandeln – und gleich am frühen Morgen des nächsten Tages sollte bereits das TV-Interview mitsamt der Präsentation des fertigen Ergebnisses in München stattfinden. Ich nahm die Herausforderung an – und habe mir am nächsten Morgen gewünscht, dass ich meine dunklen Augenringe auch im realen Leben einfach wegretuschieren kann.

Madeleine McCann: So könnte Madeleine möglicherweise zu ihrem 18. Geburtstag aussehen – Bildbearbeitung: Marco Kolditz (MEER DER IDEEN) im Auftrag von RTL
Hohes Maß an Verantwortung
Anders als bei meinen bisherigen kreativen und meist freien Arbeiten handelte es sich bei diesem Auftrag um eine sehr ernste Angelegenheit, welche auch ein hohes Maß an Verantwortung einfordert. Madeleine wird seit über 14 Jahren vermisst, ihre Eltern halten an ihrer Hoffnung fest, suchen stets weiter, wenden sich immer wieder an die Öffentlichkeit. Verwertbares Foto-Archivmaterial ist leider knapp und die Qualität der Bilder lässt zu wünschen übrig. Doch dies sind nun einmal die Materialien, die zur Verfügung stehen, so heißt es also: Das Beste daraus machen, in kürzester Zeit, mit schnellen Entscheidungen bei der Bildbearbeitung.
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Madeleine und ihre Eltern
Anhand von direkt durch RTL mir zur Verfügung gestelltem Archivmaterial der Mutter, des Vaters und einiger alter Bilder von Madeleine habe ich ein Bild konstruiert, welches Madeleine im Alter von 18 Jahren zeigen könnte. Dabei orientierte ich mich vor allem an den Gesichtszügen der erwachsenen Eltern, analysierte die Form der Kieferknochen, der Wangenknochen, Nasen, Münder, Augenbrauen und verglich diese Merkmale mit den frühen Gesichtszügen der damals dreijährigen Madeleine. Schlussendlich erzeugte ich anhand von Fotomaterial der Eltern und der Augen von Madeleine das fertige Endergebnis, bei denen ich die für beide Eltern typischen Merkmale mit denen von Madeleine kombinierte. Anhand weiterer eigener Einschätzungen erzeugte ich auf diese Weise ein Bild, welches zeigt, wie sich Madeleine wohl im Laufe der Jahre optisch entwickelt haben könnte.
Verjüngung statt Altern
Anstatt Madeleine von alten und qualitativ leider schlechten Fotos ausgehend immer älter zu gestalten, wählte ich den umgekehrten Weg: Ich verjüngte ihre Mutter Schritt-für-Schritt, verwendete die großen Augen des wohl bekanntesten Bildes von Madeleine, passte diese entsprechend vorsichtig an, zog die Gesichtsmerkmale des Vaters in meine Entscheidungen der Bildbearbeitung mit ein und griff auch auf eine abgeschwächte Form des Kindchenschemas zurück, welches bei Madeleine in diesem Alter sicherlich noch etwas zu erkennen wäre.
Neutraler Gesichtsausdruck
Ich habe mich außerdem ganz bewusst für einen neutralen Gesichtsausdruck entschieden, ähnlich wie bei einem Passbild – denn die Mimik eines jeden Menschen ist individuell sehr verschieden. Wir wissen nicht, wie Madeleine möglicherweise lächelt, schmunzelt, besorgt oder skeptisch schaut, traurig oder wütend blickt. Ein neutrales Bild erhöht daher meiner Meinung nach die Möglichkeit, dass jemand Madeleine auf diesem Bild tatsächlich wiedererkennt. Schlussendlich verlieh ich Madeleine eine meiner Meinung nach passende Kleidung – übrigens das einzige Bildmaterial, welches nicht aus Original-Archivmaterial stammt.
Es bleibt in der Familie
Der große Unterschied zu meinen bisherigen Bildbearbeitungen und komplexen Composings: Es standen keine hochauflösenden, qualitativ hochwertigen Ausgangsmaterialien zur Verfügung, es gab keine bequeme Bilddatenbank, in welcher man über Suchbegriffe unter 100.000 Arbeiten ein passendes professionell aufgenommenes Bildwerk wählen und verwenden kann. Kein großes Archiv an „ähnlichen Augen“, „passenden Augenbrauen“, „identischen Mündern“ oder „Haaren“ fremder Menschen, die keinerlei Bezug zur Familie von Madeleine haben: Denn es sollte meiner Meinung alles „in der Familie bleiben“.
In Anbetracht der Kürze der Zeit und des von RTL zur Verfügung gestelltem Ausgangsmaterials kann ich gut verstehen, dass – vor allem bei verkleinerten Varianten des Bildes – dieses stellenweise noch etwas „unnatürlich“ wirken kann. Aber ich glaube, dass es einen guten Eindruck vermittelt, wie Madeleine mit 18 Jahren zu ihrem heutigen Geburtstag wohl aussehen könnte. Man sollte dabei aber auch stets bedenken, dass sie normalgewichtig, untergewichtig oder auch übergewichtig sein könnte – möglicherweise trägt sie auch eine ganz andere Frisur oder hat ihre Haare gefärbt. Schlussendlich beruhen alle Entscheidungen bei der Erstellung eines solchen Bildes auf Merkmalen der Eltern, frühen Aufnahmen des Kindes, der typischen Entwicklung eines Menschen im Laufe der Jahre und einer Dosis an Bauchgefühl.
Ich wünsche den Eltern Kate McCann und Gerry McCann weiterhin viel Kraft, Durchhaltevermögen, Erfolg und Glück bei der weiteren Suche und bedanke mich außerdem für die gute Zusammenarbeit mit RTL!

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