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Wie bitte? Ein neuer Monkey Island-Teil? Und auch noch vom Monkey Island-Schöpfer Ron Gilbert? Und hierbei soll es sich auch noch um den „echten, tatsächlichen, wirklichen, richtigen und einzig wahren“ dritten Teil der Reihe handeln, obwohl im Jahr 1997 mit „The Curse of Monkey Island“ eigentlich schon ein recht beliebter dritter Teil erschienen ist, bei welchem allerdings der originale Schöpfer der Reihe seine Finger nicht im Spiel hatte? Nach über einem Jahrzehnt des Wartens ist mit Return of Monkey Island endlich ein neuer Teil der Spielereihe erschienen, entwickelt von Terrible Toybox, veröffentlicht durch Devolver Digital. Da ist sogar der dreiköpfige Affe erstaunt. Da, gleich hinter Dir!

Return to Monkey Island: Die Story
Während die beiden Klassiker aus den Jahren 1990 und 1991 sich zwar im Namen „The Secret of Monkey Island“ teilen, wurde doch in keinem der beiden Teile tatsächlich das Geheimnis von Monkey Island gelüftet. In „Return to Monkey Island“ macht sich nun der gefürchtete Bösewicht LeChuck mit einer mysteriösen Karte auf den Weg zur namensgebenden Insel, um das Geheimnis von Monkey Island endlich aufzudecken.

Diesem Treiben schauen wir als pflichtbewusster und heldenhafter Pirat Guybrush Threepwood natürlich nicht tatenlos zu und wollen unserem Erzfeind unbedingt zuvorkommen. Das Problem: Es dürfte sich als recht schwierig erweisen, die sagenumwobene Insel ohne Schiff und Crew zu erreichen. So versuchen wir unser Glück, auf Mêlée Island eine neue Crew zusammenzustellen und ein Schiff aufzutreiben. Dies erweist sich jedoch als schwieriger als gedacht, so dass wir uns als untoter Pirat verkleiden und kurzerhand als Deckschrubber auf LeChucks Schiff anheuern. Auf geht´s nach Monkey Island!

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Das Gameplay: Ein typisches Point & Click Adventure
Wie von Point & Click Adventures gewöhnt bewegen wir uns mit der Computermaus durch das gesamte Piraten-Abenteuer, klicken (auf Wunsch per Taste hervorgehobene) Gegenstände an, kommentieren diese, untersuchen sie, stecken sie in unser Inventar, benutzen sie und kombinieren sie untereinander. Auf diese Weise lösen wir mal leichte und mal etwas schwierige Rätsel.
Die Steuerung: Point & Click & Press?
Leider muss ich an dieser Stelle die Bedienung im Vergleich zu anderen Vertretern des Point & Click Adventure Genres kritisieren: Die Steuerung ist unnötig verkompliziert und wenig intuitiv. Ein Beispiel: Es ist praktisch eine Konvention geworden, Dialoge in Point & Click Adventures jederzeit mit Drücken der Maustaste abkürzen und auf diese Weise einzelne Sätze unterbrechen zu können. In „Return of Monkey Island“ wird stattdessen beim Drücken einer Maustaste während einer Unterhaltung oben links nur ein roter durchstrichener Hinweis-Kreis angezeigt. Möchte man einen Dialog abkürzen, muss man umständlich die Punkt-Taste auf der Tastatur drücken. Warum?

Ein weiteres Beispiel: In vielen Adventures öffnet man das Inventar intuitiv und angenehm durch Drehen des Mausrades – hier leider nicht. Stattdessen muss man entweder das kleine Taschensymbol unten links auf dem Bildschirm anklicken oder umständlich die Taste „i“ auf der Tastatur betätigen, woraufhin ein Inventar angezeigt wird, welches fast die Hälfte des Bildschirms und somit die Spiel-Szenerie überdeckt. Hier hätte mir eine ein- und ausblendbare Leiste am unteren oder oberen Bildschirmrand viel besser gefallen. Natürlich ist die aktuelle Lösung vor allem für Nutzer von Tablets oder Nintendo Switch und damit einhergehender Touch-Eingabe angenehmer, am PC jedoch eher störend. Hier wäre es eine gute Lösung gewesen, dass sich die Bedienoberfläche automatisch entsprechend der verwendeten Eingabe anpasst.

Dieser merkwürdige Kombination der Bedienung per Maus und Tastatur ist vor allem in einem „Point & Click“-Adventure (man achte auf den genauen Wortlaut dieses Genres!) sehr störend und hat mich hin und wieder aus dem Spiel heraus gerissen. Ich möchte bei einem Point & Click Adventure nicht auf die Tastatur achten müssen – außer zum Hervorheben von Gegenständen, wofür in der Regel nur eine Taste notwendig ist, auf welcher der Finger während des Spielens dauerhaft ruht (hier übrigens die Tab-Taste).

Zwei Schwierigkeitsgrade
Gleich zu Beginn des Spiels stehen Euch zwei Schwierigkeitsgrade zur Auswahl, um das Spiel sowohl für Anfänger als auch Veteranen des Genres zugänglich zu machen. Selbst in der schwierigen Variante ist das Spiel gut zu meistern, da Euch jederzeit Tipps zur Verfügung stehen, um an besonders schwierigen Stellen doch mal ein wenig zu „schummeln“. Im Vergleich zu früher ein echter Segen – ich erinnere mich noch sehr gut an die Momente, in welchen ich bei den originalen Monkey Island-Teilen nicht mehr weiter wusste, zum schnurgebundenen Festnetz-Telefon greifen musste, um meinen Onkel „ab und zu“ mal kurz zu fragen, wie man denn zum Beispiel den Affen am Piano… ach, wer die alten Originale damals bei Erscheinen schon genießen durfte, der weiß ganz genau, von was ich hier schreibe.
Die Grafik: Da scheiden sich die Geister!
Nach der Veröffentlichung des ersten Teasers, des ersten Trailers und der zahlreichen Screenshots zu Return to Monkey Island gingen die Diskussionen in den sozialen Netzwerken los und fingen Feuer. Liebhaber der ersten Teile fühlten sich auf die Füße getreten, weil der neue recht klotzige Grafikstil so gar nicht zum geliebten und charmanten Pixellook der beiden alten Klassiker passen wollte. Spieler moderner Point & Click Adventures beschwerten sich über den vereinfachten und billig wirkenden Look, da er sie zu sehr an einfach animierte Flash-Browser-Games erinnerte und einem modernen neuen Teil der geliebten Spielereihe nicht gerecht würde. Schnell entbrannte ein stinkender Shitstorm, welcher auch an Monkey Island-Schöpfer Ron Gilbert nicht spurlos vorbei ging. Dieser weigerte sich aufgrund der teilweise doch recht aggressiv geäußerten Kritik sogar einige Zeit vor dem finalen Release des Titels, weitere Inhalte, Screenshots und Videos zum Spiel zu veröffentlichen.

Zugegeben: Auch mir hat der neue Grafik-Look nicht direkt zugesagt – aber im Laufe des Spielens wurde ich mit der neuen grafischen Präsentation warm und empfand sie schlussendlich sogar als auf mutige Art und Weise erfrischend. Der Grafikstil ist in sich stimmig, eine konsistente Einheit und vor allem auch bei der Wusstest Ihr eigentlich ...?Monkey Island-Schöpfer Ron Gilbert wurde vom im Jahr 1967 eröffnetem Disneyland-Fahrgeschäft „Fluch der Karibik“ und dem Buch „In fremderen Gezeiten“ von Tim Powers zur Monkey Island-Spielereihe inspiriert. Das Buch inspirierte zur Geschichte und Charakteren, die Disney-Attraktion definierte das Ambiente.Farbwahl wunderbar gelungen. Die Animationen mögen tatsächlich an alte Flash-Browser-Spiele erinnern, doch fügen sie sich in das Gesamtbild passend ein. Sich einfach darauf einzulassen und zu spüren, dass es manchmal darauf ankommt, sich etwas Neuem wohlwollend und mit positiver Grundeinstellung zu öffnen, war eine sehr schöne Erfahrung. Außerdem hat mich die ins Herz geschlossene Welt von Monkey Island, die unterhaltsame Story, der für Monkey Island typische Humor und natürlich auch der das Spiel durchziehende und Nostalgie erweckende Fanservice stetig in den Bann gezogen. Diese Kombination aus gewohnten und ungewohnten Zutaten vermischten sich zu einem leckerem Rezept, welches sich wie ein wärmender und schmackhafter Eintopf umso mehr entfaltete, umso länger die Spielerfahrung anhielt.

Gleichzeitig brachte mich die gesamte Thematik rund um die grafische Präsentation auch auf folgende Gedanken: Es ist gut nachvollziehbar, dass sich Liebhaber der alten Teile den wunderschönen Pixel-Look zurück wünschen. Dies hat Nostalgie nun einmal so an sich – aber wir leben nicht mehr in den Jahren 1990 oder 1991, sondern im Jahre 2022. Damals zählten Monkey Island 1 und 2 nicht zu den „Retro-Pixel-Games„, sondern zu Spielen, die für damalige Verhältnisse High-End-Grafik aufwiesen. Die Entwickler haben sich zu jener Zeit die größte Mühe gegeben, die optisch beste Lösung für die beiden Point & Click Adventure Perlen umzusetzen, welche durch die damalige Technik möglich war.

Heute ist das anders: Hätte man bei „Return to Monkey Island“ bewusst auf eine künstliche Retro-Pixel-Optik gesetzt, so hätte man das Spiel bewusst „alt“ erscheinen lassen. Ich vermute, dass dies schlichtweg nicht im Sinne der kreativen Entscheider war – und so versuchten sie offenbar, dem Spiel einen modernen Look zu verleihen, dabei aber so gut wie möglich die Atmosphäre der alten Klassiker einzufangen – es war sicher ein schmaler Grat, auf dem sie gewandelt sind. Und dazu gehört eine gehörige Menge an Mut – und genau das muss man den Entwicklern, insbesondere Ron Gilbert, nun einmal lassen: Respekt. Neben der Grafik weiß auch der Sound zu überzeugen: Diese Musik. Diese grandiose Musik. Welcher Monkey Island-Fan bekommt nicht gleich Gänsehaut, sobald diese geliebten karibischen Klänge ertönen? Einige Zeit nach dem Release wurde sogar eine deutsche Synchro nachgeliefert: Hut ab und ein großes Danke dafür!

Return to Monkey Island: Mein Fazit
Was soll ich als Fazit groß schreiben? Ich liebe Monkey Island. Würde Ron Gilbert eine weitere (unwahrscheinliche) Fortsetzung ankündigen, wäre ich als Liebhaber der Spielereihe sofort Feuer und Flamme und würde auch den neuen Teil spielen, genießen, aufsaugen, zelebrieren und erneut darüber einen Testbericht schreiben. Ich habe mich auf das Spiel gefreut, es gestartet und mich von seinen nostalgischen Anspielungen, der phänomenalen Titelmusik, den liebevollen Charakteren und dem gewohnten Humor komplett einlullen lassen. Monkey Island muss man einfach lieben – selbst wenn die Grafik für heiße Diskussionen gesorgt haben mag, so ist und bleibt die Welt rund um Guybrush Threepwood doch dieselbe Welt, die wir Fans so lieben. Aus diesen Gründen kann ich Return to Monkey Island vor allem Fans der alten Klassiker wärmstens empfehlen und Neueinsteigern raten, sich die Zeit dafür zu nehmen, die beiden alten Teile in Ruhe durchzuspielen, zu genießen und sich dann in das neue Abenteuer zu stürzen.
